Dr. Constanza Riquelme Mc Loughlin: “Als Dermatologin begegne ich in meiner Praxis vielen PatientInnen, die falsche Vorstellungen über die richtige Haarpflege haben. Die Fülle an Informationen kann schnell verwirrend sein – umso wichtiger ist es, Fakten von Mythen zu unterscheiden. Deshalb räumen wir jetzt mit einigen der häufigsten Haircare-Mythen auf.”
Jeden Tag Haare waschen führt zu Haarausfall
Einer der häufigsten Haar-Mythen ist, dass durch tägliches Haarewaschen Haarausfall begünstigt wird. Das ist falsch. Jedes unserer Haare durchläuft einen individuellen Wachstumszyklus. Das bedeutet, dass ein Teil der Haare sich in der Wachstumsphase befindet, während ein kleiner Teil sich in der Ausfallphase befindet. Dieser Ausfall ist ein physiologischer Prozess und dabei ist es normal 100-150 Haare am Tag zu verlieren.
Haarewaschen führt also nicht direkt zu Haarausfall. Tatsächlich kann es bei seltenem Haarewaschen dazu führen, dass sich bereits abgelöste Haare ansammeln und beim Waschen wie exzessiver Haarausfall wirken.
Andererseits kann zu seltenes Haarewaschen zu Problemen wie seborrhoischer Dermatitis, einer Pilzinfektion, auch Malassezia genannt, führen, die Entzündungen der Kopfhaut verursachen und Haarausfall begünstigen kann. Jeden Tag Haare waschen ist also kein entscheidender Faktor für Haarausfall.
Der berühmteste Mythos: häufiges Haareschneiden beschleunigt das Haarwachstum
Ein weiterer Haircare-Mythos ist, dass häufiges Haareschneiden das Haarwachstum ankurbelt. Das ist falsch. Das Haarwachstum findet in den Haarfollikeln statt, wo die Haarfaser gebildet wird. Das Abschneiden der Spitzen hat keinen Einfluss auf die Kraft des Haares oder das Wachstum.
Regelmäßiges Haareschneiden entfernt jedoch geschädigte und trockene Spitzen, was es insgesamt schöner aussehen lässt. Außerdem solltest du darauf achten, keine zu strengen Frisuren zu tragen und Accessoires, die Spannung auf das Haar ausüben zu vermeiden, denn dadurch kann es zu Haarbruch kommen, und das Haar insgesamt weniger dicht erscheinen.
Häufiges Haarekämmen lässt das Haar glänzen
Ja und nein. Beim Haarekämmen können die natürlichen Öle, die von der Kopfhaut produziert werden, besser in die Längen und Spitzen verteilt werden und so für zusätzlichen Glanz sorgen. Exzessives Kämmen kann jedoch Reibung auf der Haarfaser erzeugen und sie schädigen, vor allem, wenn du dabei nicht vorsichtig bist und eine für deinen Haartypen unpassende Bürste verwendest. Dieser Haar-Mythos bringt Gefahren mit sich, da so durch Unwissenheit die Haargesundheit beeinträchtigt werden kann.
Am besten entwirrst du deine Haare vorsichtig und beginnst unten an den Spitzen und arbeitest dich nach oben hin zum Ansatz, ohne dabei zu sehr an den Längen zu ziehen.
Es ist besser, bei Haarausfall erstmal abzuwarten, ob es von allein aufhört, bevor man eine/-n Dermatolog/-in aufsucht
Falsch. Ein geläufiger Fehler, der die Diagnose und Behandlung des Zustandes verzögern kann. Haarausfall kann verschiedene Ursachen haben und ein/-e Dermatologe/ Dermatologin kann den Ursprung des Problems identifizieren und dementsprechend einen personalisierten Behandlungsplan aufstellen.
Ein schnelles Handeln kann einen großen Unterschied für den Verlauf und Erfolg der Behandlung machen.
Zusammengefasst...
Es ist essenziell, bei der Haarpflege zwischen Mythos und Realität zu unterscheiden, um eine gesunde Routine aufbauen zu können.
Haarausfall oder die Angst davor kann verunsichern – doch wenn du die Fakten kennst, kannst du die richtigen Entscheidungen für gesundes, kräftiges Haar treffen. Falls du dir Sorgen um deine Haargesundheit machst, zögere nicht, eine/-n Spezialisten/ Spezialistin aufzusuchen – sie können dir die beste professionelle Unterstützung bieten.